Erinnerungen von Markus Blunck

Ich bin 1970 in Hardebek auf einen kleinen Bauernhof geboren und aufgewachsen. Mein Vater, Hans Dieter Blunck, war zur dieser Zeit schon kein selbständiger, hauptberuflicher Landwirt mehr, sondern arbeitete im Tiefbau als Baggerfahrer. Leider war unser landwirtschaftlicher Betrieb im Jahre 1967 in finanziellen Schwierigkeiten geraten, so dass ca. 10ha landwirtschaftliche Fläche verkauft werden musste und der Betrieb eingestellt wurde. Schon einige Monate später führten meine Mutter und mein Vater den landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb weiter. Es wurden eigene Rinder und eine Schafherde gehalten. Des Weiteren wurden 200 Mastschweine in Pension genommen.

Sehr gut kann ich mich noch an den schönen vertrauten Kuhstallgeruch erinnern, der über das ganze Dorf schwebte. Überall im Dorf hörte man die Hähne krähen. Zur dieser Zeit haben viele Nachbarn noch Hühner zur Eigenversorgung von Eiern gehalten. Ich sehe mich heute noch in unseren Blumenreichen Vorgarten als dreijähriger Junge stehen, und schaue durch die Drahtmaschen des grünen Vorgartenzaunes. Ich sehe eine große Rinderherde die Hauptstr. entlang ziehen. Der Landwirt Max Otto Reimers und sein Zigarren rauchender Vater Klaus trieben Ihre Milchkühe zur Weide.

Familie Blunck vor ihrer Schafherde
Familie Blunck 1973 vor ihrer Schafherde, Personen von links nach re.: Burkhard Blunck, Markus Blunck, Elke Blunck

Ich kann mich noch sehr gut erinnern wie meine Mutter mit mir zum Einkaufen zu Frau Frieda Löhndorfs Laden gegangen ist. Ich weiß noch sehr genau, dass ich befangen war, wenn viele Menschen im Laden waren. Der Fußboden des Ladens war mit braunen Dielenboden versehen. Gerade vor, in der Mitte des Raumes, befand sich ein hölzerner Tresen und dahinter stand Frau Löhndorf; von den Erwachsenen Fietsche genannt. Links im Raum befand sich ein Regal mit großen gläsernen Behältern; wo sich Süßigkeiten drin befanden. Rechts im Raum stand eine Gefriertruhe mit Speiseeis. Die Tafeln mit Schokolade standen im Regal hinter dem Tresen und wurden von Frau Löhndorf herausgegeben.

Laden Löhndorf
Laden Löhndorf; rechts von der Haupteingangstür befand sich der Laden von Frau Löhndorf

Frische Milch wurde bei Frau und Herrn Logemann geholt. Sie wohnten in einen der ehemaligen Arbeiterwohnhäuser. Der Verkaufsladen befand sich im Hausflur des Wohnhauses. Wer Milch kaufen wollte, musste selbst ein kleine Milchkanne mitbringen. Frau Logemann schöpfte die Milch mit einer metallischen Kelle aus einer großen verzinkten, eisernen Kanne und füllte dann die Milch in den von den Kunden mitgebrachten Milchkannen.

Milchgeschäft
Hier befand sich im Hausflur das Milchgeschäft von Frau und Herrn Logemann

Einmal im Jahr im Sommer richtete die Gemeinde Hardebek das Vogelschießenfest aus. Am Freitag nach der Schule fanden nachmittags die Spiele auf dem Sportplatz statt. Alle Kinder aus der Gemeinde konnten daran teilnehmen. Die Kinder wurden nach Alter in verschieden Gruppen eingeteilt. Ich nahm 1976 im Alter von 6 Jahren das erste Mal an den Spielen teil. Ich musste mit einen Ball Dosen umwerfen. Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich kein einziges Mal die Dosen getroffen habe. Ich machte den letzten Platz. Nach den Spielen war die Preisverleihung. Nach der Rangordnung der bei den Spielen erzielten Plätze durfte sich jeder im damaligen Sportlerheim ein Geschenk aussuchen. Ich war, da ich ja den letzten Platz gemacht habe, als letztes dran und musste das nehmen was übriggeblieben war. Ich bekam ein Taschenmesser. Die Freude war bei mir riesengroß. Ein besseres Geschenk hätte ich nicht bekommen können. Voller Stolz zeigte ich mein Taschenmesser meinen Eltern.

Die älteren Kinder machten beim Vogelschießen das sogenannte Radringstechen. Dabei musste während der Fahrt mit einen Fahrrad eine durchbohrte Metallscheibe mit einen kleinen lanzenartigen Haken aufgespießt werden.

Am Samstag fand dann ein großer Festumzug durch das Dorf statt. Die Kinder hatten, um einen bunten Umzug zu gewährleisten, alle selbstgebastelte Blumenstöcke dabei. Anschließend fand der Vogelschießen Ball bei der Gastwirtschaft Fiete Gripp in Hasenkrug statt.

Umzug Vogelschießen
Umzug Vogelschießen; Kinder mit Blumenstöcken

Sehr gut kann ich mich noch an der Schneekatastrophe zur Jahreswende 1978/1979 erinnern. Ich war damals 8 Jahre alt. Aufgrund des starken Schneefalls gekoppelt mit einen schweren Schneesturm waren alle Wege und Straßen durch die Schneemassen und Schneewehen nicht mehr mit Kraftfahrzeugen passierbar.

Wir konnten weder mit dem Auto nach Hasenkrug oder nach Brokstedt zum Einkaufen fahren. Als uns die Lebensmittel ausgingen, kämpfte sich mein Vater zu Fuß durch den Schnee nach Brokstedt, um einzukaufen. Mein Vater hatte einen kleinen Schlitten mitgenommen worauf er nun die Lebensmittel verstaute. Nach 4 Stunden war mein Vater wieder zurück und hatte uns Kinder auch Süßigkeiten mitgebracht.

Tagsüber war die ganze Familie am Schnee räumen. Die Wege zu den Stallungen und zu dem Misthaufen mussten freigehalten werden. Die Versorgung unserer Rinder und Schweine hatten höchste Priorität.

An einen längeren Stromausfall, wie in anderen Regionen in Norddeutschland, kann ich mich nicht erinnern. Ein längerer Stromausfall hätte die Wasserversorgung von Mensch und Tier gefährdet.

Eine Entspannung der Lage gab es als die Bundeswehr in Hardebek ein Bergepanzer einsetzte um die Hauptstraße und die Nebenstraßen von dem Schnee zu räumen.

Januar 1979 in der Schulstraße
Januar 1979 in der Schulstraße. Personen von links nach rechts; Markus Blunck, Burkhard Blunck,Torsten Blunck